Smart Grid - Nur ein Buzzword?

Geschrieben am February 8th, 2009 in Strom von raphbaph

In letzter Zeit hat man viel über Smart Grids lesen können; handelt es sich dabei nur um einen Hype, wie z. B: Wave Power oder ist da mehr dran?

Mit Smart Grid ist eine Neuorganistation des Stromnetzes gemeint, die das Stromnetz sicherer, dezentraler und “schlauer” machen kann, in dem über die blose Verteilfunktion hinaus noch Information zwischen Verbrauchsstellen ausgetauscht wird, um Stromeinsatz optimaler zu planen und damit billiger und sicherer zu machen.
Das heute Stromnetz ist zwar in seiner Größe und Komlexität sehr beeindruckend, die dahinterliegenden Ideen sind aber seit Thomas Edison mehr oder weniger unverändert geblieben. Plug-In Hybrids, KWKs und Solaranlagen sind einige der neuen Entwicklungen, die auch völlig neue Anforderungen an das Stromnetz stellen. Strom wird in Zukunft wahrscheinlich wesentlich dezentraler erzeugt, kann teilweise auch dezentral gespeichert werden (in Batterien von Plug-Ins) und muss gleichzeitig so verfügbar sein wie nie. Noch nie haben Stromausfälle derart hohe Kosten erzeugt wie derzeit, und noch nie wurde derart viel Strom gebraucht.

Smart Grids sollen nun durch “smarte” Messgeräte den Zustand des Stromnetzes erkennen, und im Fall eines drohenden Zusammenbruchs z.B. den Einschaltzeitpunkt des Warmwasserspeichers verschieben. Oder man speichert den Wunsch die Waschmaschine zu starten und diese startet dann zum Zeitpunkt, an dem Strom am günstigsten ist.  Durch solche “smart sockets” können Spitzenlasten deutlcih entschärft und die Versorgungssicherheit erhöht werden. Auch wenn ein Haus mit Solarzellen zu Mittag Strom ins Netz einspeist haben “smart meters” Funktionen um die Abrechnung zu erleichtern.

In Italien wird von Telegestore ein relativ grosses Smart Grid mit riesigen Erfolg betrieben. Die Firma investierte 2,1 Milliarden €, entwickelte alles selbst, und kann jedes Jahr bei Energieeinkäufe im Wert von 500 Millionen € sparen, da sie nicht so viel des teuren Peak-Stroms kaufen muss. Alles in allem klingen Smart Grids nicht nur spannend, sie scheinen auch in die Praxis umgesetzt zu werden, zumal auch das US-DOE (Department of Energy) eine große Smart Grid Initiative betreibt. Dranbleiben.

Abu Dhabi das neue Green Valley?

Geschrieben am February 2nd, 2009 in Info von raphbaph

Abu Dhabis Kronprinz Sheikh Mohammed bin Zayed Al Nahyan hat die Vision in Abu Dhabi zu einem der führenden Player in erneuerbaren Energien zu machen.
Dazu wurde die Masdar-Initiative (masdar ist das arabische Wort für Ursprung, Quelle) ins Leben gerufen. Masdar baut derzeit eine Stadt für 40.000 Einwohner die komplett CO2 neutral sein, weniger als 2% unrecycleden Abfall produzieren und ein Green-Tech Wissens und Herstellungscluster werden soll, der selbst renommierte Institutionen wie das MIT in den Schatten stellt.

Masdar-Stadt wird gerade unter der Federführung des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster gebaut, man plant 2016 fertig zu sein. Das Projekt ist an Ambition kaum zu überbieten, aber wie grün ist Masdar wirklich?
Abu Dhabi ist momentan nicht für seinen CO2 schonenden Lebensstil bekannt, Öl ist massenhaft und billig vorhanden, das Klima erfordert raue Energiemengen für Kühlung und Wasserentsalzung. Masdar hakt hier ein, und erzeugt Strom vor allem durch Solarpanele, und betreibt rigoroses Wasserrecycling.
Allerdings muss in der Nacht Strom aus Ölkraftwerken importiert werden, der dann untertags durch die Mehrleistung der Solarpanele wieder exportiert wird, um die Energiebilanzen auszugleichen.
In der Stadt dürfen keine Autos fahren, Transport wird durch “Pods” erledigt, die auf den schmalen (und damit schattigen) Strassen entlanggleiten.

Es gibt momentan noch zu wenig Ergebnisse um dieses Projekt wirklich beurteilen zu können. Eine solche Stadt zu bauen ist an sich ein tolles Zeichen, zu mal eine der Bedingungen von Masdar ist, das sich diese Stadt mittelfristig selbst finanziert, durch Green-Tech Industrie und internationale Forschungseinrichtungen (das MIST Masdar Institute of Science and Technology, wird 2011 seinen ersten Doktoranden aufnehmen). Es bleibt abzuwarten ob dieser Plan Früchte tragen wird, und ob Masdar tatsächlich CO2 und abfallneutral sein wird. Auch die Energieimporte in der Nacht sind ein Bruch mit dem strikt erneuerbaren Konzept, da ja in der Nacht Öl verbrannt werden muss, um die Stadt mit Energie zu versorgen.

Als Zeichen des guten Willens, als Experimentierstädte für Konzepte des Zero-Emission Städtebaus und als Positionierungsmöglichkeit für Abu Dhabi wird das Projekt auf jeden Fall seinen Nutzen haben. Prädikat spannend.

Österreichischer Biomassetag signalisiert Energiewende

Geschrieben am December 2nd, 2008 in News von raphbaph

Am 25. und 26. November 2008 fand der 14. Österreichische Biomassetag unter dem Moto “Die Biomasse in der Energiewende” statt.
Sämtliche politischen Vertreter bekannten sich zu Biomasse als wichtigen Teil der Energiwende.
US Senator Marc Pacheco gab bekannt das unter Barack Obamas Administration das Energiethema auch Teil der nationalen Sicherheit wäre und man Biomasse eine zentrale Bedeutung einräumen würde.

Peak Oil wäre bereits da, behauptete der Präsident der ASPO Kjell Aleklett. Die Zeiten billigen Öls sind vorbei. Das sieht zwar momentan nicht so aus, aber mittelfristig erscheint uns auch eine Wiederaufnahme der Rekordpreise des Sommers wahrscheinlich.

Landeshauptmann Pühringer strich heraus das Biomasse als Energiequelle nicht nur Arbeitsplätze sichert sonder auch die Energieversorgung unabhängiger von, politisch oft unstabilen, Lieferländern mache, was ein wichtiger Effekt sei. Alles in allem eine spannende Tagung die wieder gezeigt hat das Bioenergie an internationaler Wichtigkeit gewinnt.

380kV Leitungen und Bioenergie - Ein Widerspruch?

Geschrieben am November 5th, 2008 in Strom von raphbaph

In Österreich sind momentan 2 380kV Leitungen geplant. Eine durch Teile der Steiermark, eine andere von Salzburg nach Tirol (siehe Grafik).

Man hört viel über mögliche negative Auswirkungen von 380kV Leitungen, aber bisher gibt es kaum handfeste Beweise das eine 380kV Leitung tatsächlich schädigend ist. Sicherlich beeinträchtigen sie das Landschaftsbild negativ, da Sicherheitsvorkehrungen eine Masthöhe von 120m und weiten Ausliegern nötig machen, kein schöner Anblick.

380kV Leitungen bieten aber klare Vorteile, was Effizienz anbelangt. D.h. Verluste sind geringer, und es können größere Leistungen transportiert werden. Das bedeutet letztendlich wieder weniger Leitungen, und weniger Verlustleistung ist ein direkter Beitrag zum Umweltschutz.

Meine Meinung daher: 380kV Überlandleitungen sind notwendig.
Eine unterirdische Leitung ist oft nicht finanzierbar, vor allem wenn man die höheren Servicekosten auch mit einrechnet. Die überwiegenden Vorteile sprechen eine deutliche Sprache, und Energie wird in Zukunft deutlich mehr transportiert werden, wenn der Energiebedarf in Zukunft weiter so zunimmt, was durch Entwicklungen wie Autos mit Elektromotor nochmal deutlich beschleunigt werden kann.

US Kongress verlängert Steuerreduktion für Solarenergie

Geschrieben am October 1st, 2008 in Uncategorized von raphbaph

Der US Kongress hat vor kurzem die bestehenden Steuerreduktionen für Solarenergieunternehmen verlängert.
Diese Entscheidung wurde später getroffen als erwartet was sich in reduzierten Aufträgen und fallenden Aktienkursen der Solarenergiefirmen niedergeschlagen hatte. Man erwartet nun eine Erholung.
Im Licht der momentanen Stützungsmassnahmen für den Finanzsektor werden nun aber Rufe laut das momentan jeder was haben könnte. Man darf aber nicht vergessen, dass Solarenergie eine erprobte Alternative zu fossilen Energiequellen ist und noch einiges an Forschung benötigt wird bevor sie preislich kompetitiv sein kann.
Steuerausnahmen sind da sicher ein guter weg, vor allem weil auch Erdölfirmen von staatlichen Subventionen bei der Errichtung von Rafinerien und Betrieben zugreifen können.

Google investiert in geothermische Energieunternehmen

Geschrieben am September 5th, 2008 in Info, Strom von raphbaph

Google hat im Rahmen seiner RE<C Initiative vor, in Firmen zu investieren, die sich mit geothermischer Energie beschäftigen.
Nun ist geothermische Energie in Österreich in Form von kleinen Wärmepumpen schon recht weit verbreitet. Doch für das was Google will, braucht man etwas größere Kaliber.

Google investiert konkret in Firmen die sich mit der Nutzung von Geothermie als MW - Energiequelle beschäftigen. In den Staaten gibt es z.B. hunderte aufgelassene drill sites, es gäbe also großes Potential Wärme aus alten Bohrlöchern zu gewinnen. In Österreich beschäftigt sich der Future Energy Fund der OMV ebenfalls mit diesen Möglichkeiten, da natürlich auch die OMV über aufgelassene Bohrlöcher verfügt.

Hauptproblem hier ist der Transport der Energie. Da die Bohrlöcher oft weit entfernt von Siedlungen sind, kommt die Nutzung des Lochs als Fernwärmequelle dann nicht in Frage. Die spannende Antwort auf diese Frage ist EGS.

EGS steht für Enhanced Geothermal Systems, damit gemeint ist eine neuartige Methode Strom aus der Hitze des Erdkerns zu gewinnen. Vereinfacht bohrt man 2 Löcher, bis in große Tiefe (3 - 10km) und pumpt in eines Wasser, dass dann im Erdinneren erhitzt wird, und aus dem anderen Loch wieder herausgepumpt wird. Diese Hitze kann man verwenden um Dampfturbinen zu betreiben und so Strom zu erzeugen. Das ganze ist im Prinzip CO2 neutral, wenn man von der Herstellung der Bohrungen und das eventuelle Anbohren von Gasblasen absieht.

In den Staaten wäre ein theoretisches Potential von bis zu 14 Millionen Exajoule an Energie aus EGS Systemen vorhanden. Derzeitiger Energiebedarf der USA: “lediglich” 100 Exajoule. Spannend.

Biodiesel aus Algen - Der Kraftstoff der Zukunft?

Geschrieben am August 25th, 2008 in Biokraftstoffe von raphbaph

In den vergangenen Monaten kam Biodieseln in der Presse sehr schlecht weg, zu schlecht, finde ich.
Biodiesel ist nicht gleich Biodiesel. Und mancher Biodiesel ist sehr effizient in der Reduktion von Treibhausgasen, und auch die Energiebilanzen können stimmen. Etwa bei der Verwendung von Altspeiseöl, das ja sonst in Deponien entsorgt wird.

Eine Technologie die auch großes Potenzial hat das zu leisten ist die Zucht von Algen zur Biodieselherstellung.
Verschiedene Microalgen wachsen wesentlich schneller als Raps, oder andere terrestrische Pflanzen, und haben einen vergleichbaren oder besseren Fettanteil. Diese Fette kann extrahiert und durch Transesterifikation zu Biodiesel verarbeitet werden.

Algen werden auf verschiedene Art gezüchtet, die wichtigsten sind “open ponds” und Photobioreaktoren.
In “open ponds” werden, wie der Name schon sagt, die Algen in einen Teich kultiviert, wobei hier natürlich Fremdorganismen und Giftstoffe aus der Luft eindringen und die Ernte gefährden können.
Photobioreaktoren umgehen dieses Problem in dem sie ein geschlossenes System bilden. Hier geht es hauptsächlich darum, die richtige Mischung aus Temperatur, Nährstoffen, Bewegung und Sauerstoffzufuhr.

Hat man da ein gutes Setting gefunden, kann nach Ernte der Algen das Öl durch chemische (Lösungsmittel wie Benzen), biologische (Enzyme plus Ultraschall), oder mechanische (Druck) Prozesse gewonnen werden, um dann zu Biodiesel verarbeitet zu werden.

Momentan arbeiten einige Firmen an diesem System, wie z.B.:  GreenFuel und Valcent. Ein vielversprechender Ansatz ist, Abgas CO2 aus der Industrie als “Futter” für die Algen zu verwenden und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Angeblich könnten mit einen Bruchteil der Fläche auf der derzeit in den USA Mais angebaut wird, der gesamte Treibstoffverbrauch der Erde gestillt werden. Auf jeden Fall einmal ein spannender Claim, den ich mir sicher weiter ansehen werde.

Lebensmittelpreise und Biosprit

Geschrieben am June 18th, 2008 in Biokraftstoffe von raphbaph

In letzter Zeit werden auch innerhalb der EU Stimmen laut, die ein Abgehen von Förderungen für Biokraftstoffe verlangen, da diese ja wesentlich am Anstieg von Lebensmittelpreisen beteiligt seien.

Dazu möchte ich folgendes sagen: Lebensmittelpreise in den Supermärkten sind nur zu einem geringen Teil von den tatsächlichen Lebensmittelrohstoffpreisen abhängig, etwa zwischen 8 und 15 Prozent. Der Rest des Preises ergibt sich aus der Verarbeitung und der Vertriebsstruktur.
Diese beiden, sowie der Transport der Zwischen- und Endprodukte sind mehr oder weniger direkt abhängig vom Erdölpreis, der ja in den letzten Jahren massiv gestiegen ist.
Niemand weiss so genau warum die OPEC ihre Produktion nicht erhöht, abgesehen davon, dass sie natürlich massiv am hohen Erdölpreis verdienen, haben sie auch Grund den Preis nicht zu hoch werden zu lassen, da sonst der Ruf nach Alternativen und Sparmaßnahmen laut wird, wie nach dem Ölpreisschock 1973. Aber vielleicht können sie die Produktion auch nicht mehr ohne weiters erhöhen.
Wenn also der Ölpreis weiter steigt wird einfach alles teurer: Lebensmittel, Elektronik, Energie, alles. Deshalb gibt es jetzt schon einen enormen Incentive Alternativen zu Erdöl zu finden.

Biokraftstoffe sind sicher noch nicht ausgereift, und manche Arten Biodiesel herzustellen sind ganz einfach sinnlos (Stichwort: Palmöl aus Malaisia), aber ohne ausreichend Investitionen jetzt wird es noch viel länger dauern bis es eine preislich entkoppelte Energiealternative zu Erdöl gibt. Und ohne Förderungen werden die Investitionen in erneuerbare Energien deutlich geringer werden.

Meiner Meinung nach sollte neben den Förderungen in Renewables auch noch in die Forschung rund um das Thema investiert werden, damit man rasch die Hoffnungsträger identifiziert und sich die Förderungen dann auf diese konzentrieren können. Wir brauchen dringend eine Alternative zu Öl als Energie und Rohstoffquelle. Biomasse wird sicher nur einer von mehreren Wegen sein die hier gegangen werden, aber es gibt hier, vor allem in naher Zukunft mit Biosprits der 2ten Generation, ein grosses Potential das man erschliessen sollte.

Das die Lebensmittelpreise steigen ist bedauerlich, aber wenig verwunderlich. Die Preisentwicklung war seit Jahrzehnten rückläufig, und die Lebensmittelmärkte der dritten Welt wurden durch asymmetrische Deregulierung für die eigenen Produzenten zugunsten der EU und der USA unrentabel gemacht. Das ausgerechnet diese Länder, die sicher preislich kompetitiv Lebensmittel produzieren könnten, durch Exportsubventionen und Importzölle der “ersten Welt” zu Nettoimporteuren von Lebensmitteln wurden, und jetzt massiv unter den Preisteigerungen leiden ist fast schon ironisch.

Was hier mehr helfen würde als ein Förderungsstop für Biosprit ist eine Öffnunfg der Lebensmittelmärkte der EU und USA für diese Märkte und Investments in die dortige Landwirtschaft, allerdings mit Rücksichtnahme auf die speziellen sozio-ökologischen Bedingungen dort.

Ich hoffe das in nächster Zeit auch zu diesen Themen Stimmen hörbar werden. Biokraftstoffe werden kommen, besser bevor Öl so teuer ist, das Biokraftstoffe auch ohne Förderungen preislich vergleichbar sind.

The swindle of “The Great Global Warming Swindle”

Geschrieben am May 27th, 2008 in Info von carmen

Unschuldig. Darauf plädiert “The great global warming swindle” bezüglich der Menschheit im Klimawandelprozess. Seitdem der Dokumentarfilm im März 2007 das erste Mal auf BBC ausgestrahlt wurde, sorgte er bereits für viel Aufregung und Diskussionsstoff.

Die These, ein menschengemachter Klimawandel sei komplett auszuschließen und eine reine Erfindung geldgeiler Wissenschaftler, der Atomindustrie und ein paar realitätsfern lebender Ökos blieb natürlich nicht ungehört.

Hierbei sind die von Martin Durkin in zahlreichen Diagrammen, Zeichnungen und Interviews in Szene gesetzten Hauptargumente die Folgenden:

Zuerst sei das Klima der Erde immer schon unbeständig gewesen, vor allem aber hat es auch schon Zeiten gegeben, als die Temperatur noch höher lag als heute. Angeführt wird hier die mittelalterliche Warmzeit vor ca. 1000 Jahren.

Bei diesen Schwankungen hätte CO2 aber nie eine Rolle gespielt, vielmehr seien es die sogenannten Sonnenflecken, die ausschlaggebend gewesen wären.

Diese treten alle 11 Jahre auf, wenn sich das Magnetfeld der Sonne umdreht und sich dadurch kältere Wirbel, erkennbar als schwarze Flecken, bilden.

Der Temperaturverlauf der letzten 100 Jahre korreliere gut mit dem Phänomen, während der Anstieg bis 1940 und die Abkühlung im Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit wohl kaum mit der CO2-Konzentration erklärt werden könne.

Wenn überhaupt, dann folge die Kurve der CO2-Konzentration in der Atmosphäre dem Temperaturverlauf je erst ca. 800 Jahre später, was eine umgekehrte Abhängigkeit indiziere.

Außerdem sei der menschengemachte Anteil am Ausstoß von CO2, verglichen mit dem aus Vulkanen, der Tiere, der Bakterien, des verwesenden Materials und der Ozeane unbedeutend.

Aber nicht nur CO2, alle Treibhausgase seien in ihrem erhöhten Vorkommen unbedenklich, da sich der Treibhauseffekt dadurch bis jetzt noch nicht verstärkt hätte. Wäre dem so, hätte sich die Troposphäre (die erste Atmosphärenschicht, die die Erde umschließt) schneller erwärmen müssen als der Erdoberfläche, dies sei aber nicht der Fall.

Die Klimawandel der Erde seien also allein auf die Aktivität der Sonne zurückzuführen, die mit den Sonnenflecken schwanke. Ist sie hoch, würde sich auch die Anzahl der Sonnenwinde (kleinste Partikel, die das Magnetfeld der Sonne verlassen und größtenteils vom Magnetfeld der Erde noch über der oberen Atmosphäre abgefangen werden) vergrößern, was eine Minderung der kosmischen Strahlung, die die Erde erreicht, zur Folge hätte. Dadurch bildeten sich weniger Wolken, die durch den Zusammenstoß kosmischer Strahlung und dem Wasserdampf über den Ozeanen zu Stande kommen. Die Sonnenstrahlen könnten die Erde somit ungehindert aufheizen.

„Die Wolkentheorie ist physikalisch nicht beweisbar. Bewiesen hingegen ist, dass die Solarkonstante (Strahlungsleistung der Sonne) tatsächlich aufgrund der Sonnenflecken schwankt, allerdings nur unbedeutend im 10tel Watt Bereich.“, erklärt hingegen Dr. Herbert Formayer, Wissenschaftler im Bereich Meterologie an der Universität für Bodenkultur, Wien.

Wie viele seiner Kollegen ist er mit einigen Aussagen des Films nicht einverstanden, was, angesichts der häufigen offenkundigen Veränderung der (pseudo-)wissenschaftlichen Daten, nicht verwundert. Die Gegenargumente möchte ich im Folgenden unter anderem basierend auf einem Interview mit Dr. Formayer darstellen.

Interessant ist beispielsweise, dass der oben genannte Zusammenhang sich grafisch nur bis 1990 darstellen ließ, spätere Daten wurden daher einfach weggelassen:

diagramm-solar-activity.jpg

Denn genau der erstmals divergente Verlauf der beiden Kurven in den letzten 25 Jahren der Grafik indiziert, dass neben der Sonnenaktivität andere Faktoren wichtiger geworden sein müssen:

global_warming_swindle_solar_activity.jpg

(blog.rainbownet.ch/umwelt/n-tv-klimaluge-der-klimawandel-alles-schwindel)

Wie kommt es aber, dass es ohne diese „anderen Faktoren“ schon Klimaperioden gab, die wärmer verliefen als heute, wie im Film behauptet wird?

Nun, auch zu dieser Aussage wurde die zugehörige Grafik ein wenig angepasst:

swindlemedieval.jpg

„Now“ bezeichnet hier das Jahr 1975, der rasante Temperaturanstieg in den letzten 30 Jahren, der mittlerweile über die mittelalterliche Warmzeit hinaus geht, wurde also ebenfalls einfach ignoriert. Interessant ist auch, dass die Temperaturachse keine Zahlen aufweist, welche eine bessere Orientierung ermöglichen würden.

Aber selbst wenn die vollständigen Grafiken im Film gezeigt worden wären, sollte CO2 bei der Erwärmung des letzten Jahrzehnts immer noch keine wichtige Rolle spielen, die Wirkung von Wasserstoff wird als ohnehin viel einflussreicher dargestellt.

„Das stimmt, Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas, jedoch regional ungleichmäßig verteilt.“, klärt Dr. Formayer auf, „Im Großteil der Atmosphäre ist so viel Wasserdampf enthalten, dass in den Wellenlängen wo Wasserdampf absorbiert keine Strahlung durchdringt. Dieser Effekt ist bis zu 100mal stärker als der von CO2 und kommt natürlich besonders dort zum Tragen, wo viel Wasserdampf vorkommt – also in den feuchtwarmen Tropen. Wie viel Wasserdampf die Luft halten kann ist von der Temperatur abhängig. Je höher dabei die Temperatur steigt, desto mehr Wasser verdunstet und die Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch entsteht ein Rückkopplungseffekt der besonders in der kalten Jahreszeit und in den Polarregionen starke Wirkung zeigt.“

Das Klima und seine Ursachen sind also komplex. Die Wirkung von CO2 ist aber genauso unumstößlich wie die von Wasserstoff.

Dennoch soll seine Rolle des im Film durch folgende Grafik verneint werden:

economic-boom.jpg

Wenn CO2 zur Erwärmung der Erde beiträgt, warum tritt dann genau im Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit, als der CO2-Ausstoß exponentiell wuchs, eine Abkühlung ein, die genau mit der Wirtschaftsflaute der 70er endet?„Mit dem Wirtschaftsboom stieg nicht nur der Ausstoß an CO2, sondern auch an Feinstaub und Aerosolen. So schädlich diese für den Menschen sind, so nützlich war ihr Kühleffekt, bevor in den 80ern Schwefeldioxid-Filter etc. eingeführt wurden. Denn diese Partikel reflektieren selbst und bewirkten auch, dass die Wolken weit mehr Einstrahlung reflektierten als heute.“ weiß Dr. Fromayer zu entgegnen.

Dieser Effekt hat die Erwärmung also eine Zeit lang kompensiert und kompensiert ihn heute noch nachweisbar regional in einigen Entwicklungsländern. Rechnet man ihn raus, wäre die Temperatur auch in dieser Zeit gestiegen.

Abgesehen von den Auswirkungen von CO2 sei der anthropogene Anteil aber ohnehin unbedeutend, argumentiert der Film weiter.

Dem sei erstens zu entgegnen, dass die Aussage des Films, Vulkane würden mehr CO2 in die Atmosphäre jagen als der Mensch, schlichtweg falsch ist. Nur, wenn man die Tiere hinzuzählt, kommt der gemeinsame Output weit höher als der direkte des Menschen. Indirekt ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Biomasse der Nutztiere
des Menschen mehr als 20 mal größer ist, als jene aller wildlebenden
Landwirbeltiere zusammen und mit dem Menschen somit mehr als 96% dieser
Biomasse ausmacht.

Abgesehen davon ist zu erwähnen, dass der Anteil von CO2 an der Atmosphäre sowieso sehr gering ist und somit kleine Schwankungen große Wirkungen haben könnten. Dies wird deutlich, wenn man sich anschaut, dass der Anteil von FCKWs an der Luft, deren Auswirkungen unbestritten sind, in ppt(10^-12), der von CO2 aber in ppm (10^-6) gemessen werden.

Falls Treibhausgase also tatsächlich etwas mit dem Klimawandel zu tun haben sollten, warum können die Szenarien des IPCC-Berichts die Vergangenheit nicht erklären?, fragt der Film weiter.

„Die Varibilität des Erdklimas und der Ursachen dafür sind für die Wissenschaftler natürlich nichts neues. Es wurde auch nie behauptet, dass CO2 die Zwischeneiszeit ausgelöst hätte.“, erklärt Dr. Formayer zu dem Vorwurf. Vielmehr handele es sich um verschiedene Rückkopplungen, die zum Beispiel die im Film zur Argumentation herangezogenen sogenannten „Milankowitsch-Schwankungen“(bezeichnen sich aufgrund der Erdachsenneigung und anderer Faktoren ändernde Sonneneinstrahlung als Auslöser für die Klimaschwankungen), verstärkten. Auch das Zusammenbrechen des Golfstroms sei zum Beispiel eine mögliche Erklärung für den Kälterückfall in der jüngeren Dryas. Wahrscheinlich sei, dass damals riesige Seen durch Landverschiebungen auf einmal in den Atlantik geflossen sind und ihn derart versüßt haben, dass die Zirkulation aufgebrochen wurde. Der Unterschied zu heute sei weiterhin, dass durch eine andere Land-Wasser-Verteilung auf der Erde und fehlender Vereisung an den Polen zur Zeit des Mesozoikums viel günstigere Bedingungen für eine Erderwärmung herrschten. Mit diesen natürlichen Effekten ließen sich die Klimaschwankungen bis zur Mitte des vorherigen Jahrhunderts gut erklären, spätere Entwicklungen liefen viel schneller ab und ließen sich nur durch Einbeziehen des Treibhauseffektes begründen. Könnten die IPCC-Szenarien die Vergangenheit also erklären, hätten wir kein Problem….

Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass auch die natürlichen Schwankungen zu Katastrophen geführt haben. „Auch früher sind dadurch teils 90% aller Lebewesen ausgestorben.“, so Dr. Formayer.

Egal ob menschengemacht oder natürlich, der Klimawandel wird Auswirkungen haben.

Ein mögliches Szenario ist das Zusammenbrechen des Golfstroms, ausgelöst durch die Versüßung der Meere aufgrund des Abschmelzen der Pole, wie im Film „The Day After Tomorrow“ dargestellt.

„Abschwächen wird sich der Golfstrom in jedem Fall, ein vollständiges Kippen ist in den nächsten 150 Jahren jedoch unwahrscheinlich. Allerdings schmilzt das Packeis definitiv schneller, als in den Modellen erwartet.“(Dr. Formayer)

Außerdem gibt es eine Vielzahl der großen Masse weniger bekannter Effekte und Rückkopplungsprozesse.

So sei es wahrscheinlich, dass der Niederschlag im Amazonasbecken nachlassen werde, was eine Umwandlung des Regenwaldes in eine Savanne zur Folge hätte. Durch die Verrottung der Biomasse Regenwald würden zusätzlich 200ppm CO2 frei werden.

Ein anderes Problem stellt das mögliche Aufgehen des Permafrostbodens in Sibirien und Alaska dar. 100 weitere ppm Methangas sind dort gespeichert. Schon jetzt sind außerdem direkte Auswirkungen wie das Absinken ganzer Landstriche in Nordrussland oder das Abrutschen mancher Hänge in den Alpen deutlich zu spüren. Eine Hoffnung bezüglich eines negativen Rückkopplungsprozesses ist allerdings, dass sich der boreale Nadelwald auf den aufgetauten Flächen ausbreitet und so einen Teil des freigewordenen Kohlenstoffs wieder bindet.

Wenn der Prozess des Auftauens auch ziemlich langsam voran schreitet, können andere mögliche Auswirkungen auch sehr schnell Realität werden. So zum Beispiel die Ausbreitung der Savanne in Asien. Riesige Buschfeuer stellen hier eine weitere positive Rückkopplungsmöglichkeit dar.

Auch die Erwärmung der Ozeane wird kommen und ist gleich doppelt gefährlich: Zum einen führt dies zu einer Versauerung und gefährdet die Ökosysteme. Zum Anderen nimmt die SO2-Speicherfähigkeit des Wassers mit zunehmender Temperatur ab.

Solange die Erwärmung unter +2°C bleibt, sind unangenehme Auswirkungen in Europa hingegen unwahrscheinlich, bei einer stärkeren Erwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit aber stark an.

Auch, wenn eine Erwärmung der Erde, wie im Film dargestellt, auch gute Seiten haben kann, sind die negativen also nicht zu vernachlässigen.

Gerade in den Entwicklungsländern, die von denjenigen, die den anthropogenen Klimawandel als Fakt ansehen, dem Film nach bloß an der Entwicklung gehindert werden sollen, werden große Probleme auftreten.

Die Ausbreitung der Wüsten, das Steppenwachstum, Überschwemmungen etc. werden besonders die äquatorialen und meernahen Entwicklungsländer treffen und das Elend noch verschärfen. Hinzu kommt, dass gerade diese Länder im Vergleich zu den Industriestaaten viel weniger Anpassungsmöglichkeiten haben.

Der Film verschweigt außerdem, dass die Entwicklungsländer laut Kyoto-Protokoll von der CO2-Minderung ausgenommen sind.

In einer Verdrehung der Tatsachen wird den Umweltschützern unterstellt, sie wollten den
Entwicklungsländern den technischen Fortschritt vorenthalten. Seit langer
Zeit wird hingegen darauf verwiesen, dass Wohlstand in Entwicklungsländern
nur möglich sein kann, wenn die Menschen der reichen Länder ihren
“ökologischen Fußabdruck” drastisch reduzieren.

Der Weg ist also nicht, die Entwicklung dieser Länder zu unterdrücken, um bei uns noch das Bestmögliche aus den begrenzten Ressourcen herauszuholen, sondern gerade die Industrieländer zu bremsen um die Niveaus anzugleichen.

In diesem Sinne sind nämlich wir die „wahren Entwicklungsländer“, da der Reduktionsbedarf unserer Ansprüche weit größer ist, als der Nachholbedarf der Armen, wenn eine
gerechte Nutzung der begrenzten Ressourcen erreicht werden soll.

Fußabdruck der Reichsten

Grafik abrufbar auf:  http://homepage.univie.ac.at/peter.weish/umweltethik/Umweltethik_folien06.pdf

Quelle und Zitat: Dr. Weish, Univ.Doz. an der allg. Universität und Universität für Bodenkultur, Wien

Es wäre also an der Zeit, etwas zu tun. Aber auch die Lösungen werden bekanntlich kontrovers diskutiert. Sicherlich kann Bioenergie seinen Teil beitragen, aber insbesondere beim Biosprit wurde teilweise übers Ziel hinaus geschossen.

„Wenn man den Regenwald extra rodet und Monokulturen von Energiepflanzen anbaut, ist das natürlich nicht der Sinn der Sache. Unverantwortlich wird es, wenn dadurch den Menschen auch noch die Nahrungsgrundlage weggenommen wird und die Lebensmittel allgemein als Folge dort teurer werden. Wir können auch nicht das Palmöl aus Asien mit Energieschleudern von Frachtern nach Europa kommen lassen und dann mit erhobenem Zeigefinger sagen: „Wir sind bio, die in Asien nicht“. (Dr. Formayer)

Auch in Europa wird der Raps in Monokulturen gepflanzt, was selbstverständlich nicht dem Prinzip der Nachhaltigkeit entspricht. „Besser wäre es, wenn man wenigstens Kulturfolgen einbaut und länderspezifisch entscheidet, welche Art von Ressourcen am sinnvollsten zu nutzen wäre.“ In Österreich sei dies zum Beispiel Wasser, aber auch Holz, dass man als erstes für die stoffliche Nutzung und erst am Schluss für die energetische verwenden sollte.

Aber auch diese Energieträger sind nicht in unendlichen Mengen vorhanden und sollten effizient genutzt werden.

„Die sogenannte „zweite Generation der Bioenergie“ ist da schon auf einem guten Weg, insbesondere die Holzvergasung ist in diesem Zusammenhang zu nennen.“ Wenn der Ölpreis noch weiter steigt, ist diese Generation nach Dr. Formayer schon bald selbstkostentragend.

„Das wäre ein großer Schritt, denn die Maßnahmen müssen einfach wirtschaftlich sein.“

Oft wird allerdings behauptet, die anfänglichen Investitionen in diese Maßnahmen seien viel zu hoch. Dem lässt sich gegenüberstellen, dass Österreich zB. mit 48Mio.€ die Energiegewinnung unterstützt, der Forschung, die diese Gewinnung effizienter machen könnte, aber nur 1,9 Mio.€ zukommen, wovon der Anteil für die Klimaforschung wiederum nur marginal ist.

Daher sind selbst die Großevents von Al Gore zum Beispiel insofern nützlich, als dass sie erneut Bewusstsein für das Thema schaffen und in der Folge wieder größere Schritte unternommen werden.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Anpassung generell teurer ist als die Vermeidung und es immer noch mehr wird, je länger wir warten.

Dies wird schon im neuesten IPCC-Bericht deutlich, der eben erstmals nicht mehr die Vermeidung, sondern schon die Anpassung in den Mittelpunkt stellt und klar zeigt, dass letzteres viel umständlicher ist, da man unter anderem viel mehr lokales Know-How benötigt etc.

Unglücklicherweise darf solchen Szenarien Glauben geschenkt werden, denn IPCC ist nicht derart beeinflusst, wie im Film dargestellt.

Natürlich bekommen die Forscher Geld für ihre Arbeit, aber man darf auch nicht vergessen, dass auch die Klimawandel-Kritiker ihre Geldgeber haben.

Des Weiteren stimmt es zwar, dass auch Politiker und andere Nicht-Wissenschaftler an dem öffentlichen Bericht beteiligt sind, jedoch nur sekundär bei der Zusammenfassung der einzelnen Berichte.

Diese Vereinfachung für die politische Ebene ist auch der Teil, bei dem manche IPCC-Wissenschaftler nicht mehr mit allen Aussagen einverstanden sind. Entgegen der Behauptungen im Film gibt es bei den einzelnen ausführlichen Berichten aber einen Konsens und es werden Pro UND Contra dargestellt,.

Außerdem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch nicht alle zitierten Wissenschaftler mit dem Resultat in „The great global warming swindle“ einverstanden waren. Ein Ozeanograph hat sogar verboten, dass sein Interview weiter ausgestrahlt wird, weil seine Aussagen ins Gegenteil gewandelt worden seien.

Aber auch, wenn der Film einiges verdreht, steht Dr. Formayer ihm nicht nur kritisch gegenüber:

„Das gehört halt zur Meinungsfreiheit. Außerdem wird’s den Medien doch fad, wenn es keine Gegenstimmen mehr gibt! Auch wird das Ganze so nochmals seriös diskutiert, so dass die Unsicherheiten, die es gibt, nicht einfach unter den Tisch fallen. Denn es ist schon komisch, wenn bestimmte Sachen einfach als wahr angenommen werden und plötzlich der Bundeskanzler („Wir wissen alles…“), die Journalisten, die Leute aus dem Kindergarten, Freunde und Bekannte mehr wissen als wir Wissenschaftler….!“

Interview mit Alfons Piatti - Demeterhof Loosdorf

Geschrieben am May 2nd, 2008 in Biokraftstoffe von raphbaph

Ich habe vor kurzem mit Alfons Piatti, der Betreiber des Demeterhofes Loosdorf, ein intensives Gespräch über Bioenergie geführt. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Herr Piatti hat momentan keine Bioenergieprojekte in Planung, obwohl ihn das Thema sehr interessiert.  Das hat zwei Gründe:
1) Die zusätzliche Wertschöpfung ist nicht ausreichend um den Anlagenbau zu finanzieren.
2) Die Genauigkeit der Energiebilanzen ist zu fragwürdig.

Piatti betreibt streng biologisch-dynamischen Landbau, und sieht dass auch als eine der Grundvoraussetzungen für ”echte”  Bioenergie, da Düngemittel größtenteils aus Erdgas oder Erdöl und mit hohem Prozessenergie und Transportaufwand hergestellt
werden. Durch die gestiegenen Lebensmittelpreise in den letzten Jahren erziehlt er aber auch mit unverarbeiteten Produkten hohe Renditen, und der Mehrwert von Biosprit wäre nicht ausreichend, um Projekte zu finanzieren.  Ausserdem kommt Raps in der bio-dynamsichen Landwirtschaft kaum in Frage, da er einen zu hohen Stickstoffbedarf hat, der  normalerweise über chemische Dünger befriedigt wird.
Sonnenblumen führen zu erhöhtem Unkrautaufkommen, wobei Piatti von einem benachbarten Bauern erzählt dessen Traktoren
mit selbstgemachten Pflanzenölen fahren.

Piatti hat großes Interesse an Energiebilanzen, vor allem im bio-dynamischen Landbau, damit exakt ermittelt werden kann,  wieviel fossile Energie eingespart wird. Diese Rechnung ist deshalb komplexer, da hier statt Düngern und Pestiziden andere  Massnahmen gesetzt werden, die meist Traktoren, und damit fossile Kraftstoffe verbrauchen.
Das Ludwig-Boltzmann Institut beschäftigt sich momentan genauer mit dieser Frage.

Als Vorraussetzung für erfolgreiche Langzeit-Kohlenstoffbilanzen sieht er in der Landwirtschaft den Aufbau der Humusschicht an. Das entspricht einer Geosequestrierung von CO2 an der Oberfläche, da Hummus ja komplexe organisch-mineralische Verbindungen darstellt.

Bio-dynamische Landwirtschaft mit einer geeigneten Fruchtfolge ist, so Piatti, das ideale Mittel zum Aufbau der Hummusschicht. Er sieht die Zukunft von BioFuels in kleinen regionalen Kooperativen, die Ölpressen und ev. Umesterungsmaschinen betreiben, und sich so von den Erdölmärkten und deren Preisschwankungen besser abkoppeln können.

Ich danke für das Gespräch.

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